Dieses Wochenende, ein Erlebnis.
Ich lag 2 Tage auf dem Sofa und habe gelesen: Herta Müller – Atemschaukel.
Ein Hammer – jetzt verstehe ich warum diese Frau den Literaturnobelpreis bekommen hat. Mit den mir sprachlich zur Verfügung stehenden Möglichkeiten kann ich nicht mal beschreiben wie einen dieses Buch in seinen Bann zieht. Eigentlich ist es nicht das Buch, es sind die Sätze. Jeder einzelne.
Dann heute morgen. Eine Schlagzeile reist mich runter von der Atemschaukel, auf Deutschen Alltags-Medien-Boden – vergewaltigt mich und meine Sinne. Tränenland.
Das ist sie wieder: Charlotte Roche. Sie hat mir die vergangenen Monate echt gefehlt , man hat nix gehört, weil eigentlich na ja, hat sie ja nix zu sagen, was man hören müsste.
Jetzt taucht sie wieder auf im medialen Muschisumpf mit einer: Drogenbeichte. Was ist daran überraschend, wenn ein Strassenköter Räude hat??
Ihre „Ich schmiere mir Muschi-Saft hinters Ohr-Beichte“ ist ja in Vergessenheit geraten. Da muss ein neuer Hammer her, den man den Medien auf den Tisch legt, damit die den dann kräftig schwingen.
Und alle machen mit. Focus, Bild, Gala, Rheinische Post, Welt ….
Ich weiß nicht, wer oder was sich in deutschen Redaktionsräumen herumtreibt (wie wärs mal mit nem Praktikum Sonja!) und eine Tastatur bedienen darf. Aber es müssen Drogensüchtige sein, die sich den Verstand aus der Birne gekokst, gekifft, – wie sagt man eigentlich bei Extasy? – haben.
Als wäre „Feuchtgebiete“ (das ist das literarische Werk von Frau Roche) ein bedeutendes Zeugnis zeitgenössischer Kunst, ein bleibendes Werk deutscher Literatur schreiben die Tipplinge der Zeitung Überschriften wie:
‘Feuchtgebiete’-Autorin Charlotte Roche nimmt ja bekanntlich kein Blatt vor den Mund. So plaudert die muntere Moderatorin (‘3 nach 9′ auf Radio Bremen) auch offen über ihre Experimentierfreudigkeit in punkto Drogen.
Oder:
“Feuchgebiete“-Autorin Charlotte Roche hat keinerlei Berührungsängste – auch nicht vor Drogen.
Feuchgebiete“-Autorin Charlotte Roche. Na dann. Offensichtlich hat auch die Deutsche Medienelite keine Berührungsangst. (Verstand haben die sowieso nicht)
Ich setzte mich kommendes Wochenende wieder auf die Atemschaukel und lese ein anderes Buch von Herta Müller.
Auf eine Talkshow mit ihr zu warten hat wohl keinen Sinn.
LG Sonja

